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Ein guter Ganztag braucht qualifizierte Fachkräfte – eine besondere Herausforderung im Interesse jedes Grundschulkindes

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Von: Dieter Eckert

Jedes Kind hat Stärken, die es zu fördern gilt

Rechtsanspruch - guter Ganztag – für alle Grundschulkinder ab 2025 – viele, tolle Angebote in der Schule und ihrer Umgebung – viele Kinder nehmen freiwillig und gerne daran teil…

Aber: Kann dies in Deutschland Realität werden? Oder…bleibt es eine gut gemeinte Vision?

Wir alle wünschen uns einen guten Ganztag, in welchem unsere Kinder im Mittelpunkt stehen! Sie sollen die Möglichkeit erhalten, ihre individuellen Talente und Stärken zu entdecken und auszubauen. Mit anderen Schülern gemeinsam zu lernen, mit ihren je unterschiedlichen Begabungen, Interessen, Förderbedarfe – ein vielfältiges Erfahren und gemeinsames Erleben. Viele Kompetenzen der Kinder sind hier gefordert – sozial-emotionale, geistige, motorische. Schulkinder brauchen die Geborgenheit einer guten Klassengemeinschaft, um sich wohl zu fühlen und altersgemäß herausgefordert zu werden.

Wir wissen es: Die klassische Schule ist wichtig und richtig. Dennoch kennt sie ihre Grenzen, wenn es um die ganzheitliche Förderung der Persönlichkeit ihrer Schüler*innen geht, insbesondere jener junger Menschen, die aus bildungsfernen Elternhäusern oder aus sozial schwierigen Lebensverhältnissen kommen. Deshalb gibt es immer mehr Schulen, die sich Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen in ihrem Team wünschen und sie aktiv in ihr Schulkonzept einbinden wollen. Hier kann die Ganztagsschule den förderlichen institutionellen Rahmen bieten! Ganztagsschulen wissen um ihren Auftrag, ganzheitlich für alle ihre Kinder ein lernförderliches und lebenslagensensibles Umfeld zu schaffen.

Schulen brauchen die Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe

Dieser Anspruch lässt sich am besten verwirklichen, wenn unsere Ganztagsschulen erzieherisch und sozialpädagogisch qualifiziertes Personal einstellen (können). Sie sind die Fachleute für die Bildungs- und Erziehungsarbeit, für die gezielte Förderung von Problemkindern, für die Arbeit mit Eltern oder mit den Jugendämtern und anderen wichtigen Organisationen und Verbänden im Umfeld der Schule.

Als pädagogische Expert*innen sind sie fachlich geschult, um in Einzel- und Gruppenförderungen wichtige Impulse und Unterstützung zu geben – zum Beispiel in den Bereichen soziale Kompetenz, Körperwahrnehmung, Entspannung, Konzentration und Lernen. Sie arbeiten präventiv und beratend und wenn erforderlich führen sie Krisenintervention durch. Sie organisieren und begleiten ihre Themen oft gemeinsam mit den Lehrer*innen in Projektwochen, Projekt- und Aktionstage oder Ferienbetreuungen. Sie sind im Sozialraum der Schule bestens vernetzt.

Eine solch verantwortungsvolle pädagogische Aufgabe am Kind, seinen Eltern und seinem sozialen Umfeld lässt sich am besten mit pädagogisch qualifiziertem Personal umsetzen. Dies sind Fachkräfte, die in der heutigen Zeit fast wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen gesucht werden. Allein im frühkindlichen und Grundschulbereich fehlen bis 2025 nahezu 400.000 Erzieher*innen, davon 100.000 pädagogische Kräfte allein für den geplanten Ausbau der Ganztagsangebote für Grundschulkinder. Und diese Lücke wird sich vergrößern, wenn hier nicht massiv gegengesteuert wird. Gute Fachkräfte sind das Rückgrat eines guten Ganztags! Hier arbeiten ausgebildete sozialpädagogische Fachkräfte gemeinsam mit Lehrer*innen in multiprofessionellen Teams gleichberechtigt an einem fachlich qualifizierten, inklusiven und an der Lebenswirklichkeit der Kinder ausgerichteten Ganztagsangebot.

Wo liegen wirksame Verbesserungsmöglichkeiten für Erziehungsberufe?

Bundesjugendministerin Franziska Giffey bringt es in eine Pressemitteilung ihres Hauses am 07.07.2020 auf den Punkt: „Wichtige Hebel, um die Jugendlichen für einen Berufseinstieg (in die sozialen Berufe, D.E.) zu gewinnen, sind mehr Gehalt, bessere Arbeitsbedingungen und Aufstiegsmöglichkeiten“.

Grundlegende Voraussetzung für die Einlösung dieser großen drei Herausforderungen ist die gesellschaftliche Aufwertung des Berufs Erzieher*in. Die Corona-Krise hat eindrücklich gezeigt: Erzieher*innen sind eine systemrelevante Berufsgruppe! Diese gestiegene öffentliche Wertschätzung ist jetzt in vielfacher Hinsicht zu nutzen: Es gilt neue Potenziale für die Berufswahl zu erschließen – etwa mehr Jugendliche mit Abitur und mehr junge Männer erreichen oder Wiedereinsteiger*innen zurückgewinnen. Auch die Ausbildungsbedingungen sind zu verbessern – etwa durch Befreiung von Schulgeld, Einführung von Ausbildungsvergütungen, mehr praxisorientierte Ausbildungsmöglichkeiten oder durch Erhöhung der Durchlässigkeit innerhalb der Aus- und Weiterbildungsformen.

Die Arbeitgeber sind gefordert Personalentwicklungskonzepte zu entwickeln und einzuführen zusammen mit Stellenbeschreibungen und klarer Regelung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten. Personalgewinnungsmaßnahmen sind durch gezielte Personalbindungsmaßnahmen zu unterstützen.

Die tägliche Arbeit der Erzieher*innen ist oft beschwerlich. Sie lässt sich durch Verbesserungen attraktiver gestalten etwa in Verbindung mit guten Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und einer tariflichen Entlohnung.

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